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Chronik 2019

Polnischer Konzertorganist an der Klais-Orgel in der St.-Martinus-Kirche
Dr. Michał Markuszewski gastierte in Olpe

Olpe. Der polnische Konzert-Organist Dr. Michał Markuszewski gestaltete am Sonntag, 1. September 2019, um 17.00 Uhr ein Orgelkonzert in der Pfarrkirche St. Martinus in Olpe.

"Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!" Dieser Satz ist einer der bekanntesten der deutschen Geschichte. Gesprochen wurde er von Adolf Hitler im Berliner Reichstag am Vormittag des 1. September 1939. Der Tag gilt heute als Beginn des von Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkriegs. Tatsächlich überfiel an diesem Morgen die deutsche Wehrmacht ohne Kriegserklärung Polen. Hitler gab den Angriff als Verteidigungsaktion aus und verwies auf den angeblich polnischen Überfall auf den Sender Gleiwitz am Vorabend, den aber die SS inszeniert hatte. Das Orgelkonzert soll an diesen Tag und den Beginn des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 erinnern.

80 Jahre nach diesem schicksalshaften Tag gastierte nun ein polnischer Konzertorganist in der Kreisstadt. Der Förderverein „Musik in Olper Kirchen e. V.“ freut sich, dass er Dr. Michał Markuszewski für dieses Konzert gewinnen konnte. Der Organist ist 1980 in Warschau geboren, studierte von 1999 bis 2004 an der Warschauer Musikakademie-Frédéric-Chopin Orgel (Prof. J. Grubich) und Klavier (Prof. K. Gierżod). 2007 beendete er sein Orgelimprovisations-Studium an der Universität der Künste Berlin (Prof. W. Seifen) und erhielt 2008 das Konzertdiplom an der Hochschule für Musik in Würzburg (Prof. Ch. Bossert).

Er ist Preisträger internationaler Orgelwettbewerbe: 2. Preis beim Wettbewerb polnischer Orgelmusik des 20. Jahrhunderts (Liegnitz 1998), 1. Preis beim internationalen Wettbewerb der Orgelmusik in Rumia (2000) und 3. Preis beim internationalen Wettbewerb in Zürich (2007). Im Jahre 2007 war er Stipendiat des Ministeriums für Kultur in Polen. Seit 2012 unterrichtet er Orgel und Orgelimprovisation an der Frédéric-Chopin-Musikuniversität in Warschau. Im Jahr 2018 wurde ihm vom Kulturministerium Polens die Medaille „Verdienste um die polnische Kultur“ verliehen.

Das Konzert umfasste Werke von Felix Borowski, Théodore Dubois, César Franck, August Freyer und Michał Markuszewski. Es sind Komponisten aus Dänemark, Deutschland, Frankreich und natürlich aus Polen.

Der Verein „Musik in Olper Kirchen e. V.“ möchte mit diesem Konzert 80 Jahre nach Beginn des 2. Weltkrieges ein Zeichen für Frieden und Versöhnung setzen. Wir leben in unserem Heimatland seit 74 Jahren ohne kriegerische Auseinandersetzungen. Wir können den Erfolg der europäischen Friedenspolitik nur dankbar anerkennen. Und wir können nur dankbar sein für eine europäische Kultur, die uns eint. Der gesellschaftliche Zusammenhalt, aber auch der Zusammenhalt zwischen den europäischen Völkern wird entscheidend mitgeprägt durch die gemeinsame Kultur, hier die geistliche Musik. Welch einen kulturellen Reichtum repräsentieren die europäischen Völker. Und ist es nicht ein ermutigendes Zeichen, wenn uns 80 Jahre nach dem Beginn des 2. Weltkrieges ein junger polnischer Konzert-Organist an der Musik-Kultur seines Landes teilhaben ließ?