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Olper

Kirchen

Historische Orgel von 1663

Die Orgel, die jetzt seit etwa 180 Jahren in Neuenkleusheim steht, tat zuvor ungefähr 140 Jahre lang in der Klosterkirche Drolshagen ihren Dienst. Nach der Klosterchronik wurde sie 1660 erbaut, die in der Front der Orgel eingeschnitzte Jahreszahl nennt 1663 als Jahr der Fertigstellung. Der Erbauer ist nicht genannt, auch zu Vermutungen in bestimmter Richtung besteht kein Anlass. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts spielte das Instrument eine zentrale Rolle in einem Streit zwischen Kloster und Pfarrgemeinde um die Benutzung der Kirche und speziell der Orgel außerhalb der klösterlichen Gottesdienste. Nachdem um 1785 eine zweite und größere Orgel in Drolshagen erbaut worden war, wurde die alte Orgel von 1663 nach der Aufhebung des Klosters vom hessischen Landgrafen 1804 an die Gemeinde Neuenkleusheim verschenkt.

Der Wert des damals reparaturbedürftigen Instrumentes wurde auf 100 Florin geschätzt.

In Neuenkleusheim wurde das Instrument umgebaut, offenbar von Christian Roetzel, der die Arbeit in Neuenkleusheim in seinem Werkverzeichnis charakterisiert: "Neu umgeschaffen, aus dem Kloster Drolshagen". Ob der Umbau gleich bei der Aufstellung in Neuenkleusheim erfolgte oder erst später, etwa in Verbindung mit dem Kirchenneubau 1827, geht es aus den bisher bekannten Quellen nicht sicher hervor. Ziel des Umbaus war, das auf der Basis des Prinzipal 4' erbaute kleine Instrument auf 8' -Basis zu stellen und dadurch sein Klangvolumen zu vergrößern. Bemühungen dieser Art sind im 19. Jahrhundert vielfach nachzuweisen.

Die alte Fassade von 1663 blieb Kernstück des in Höhe und Breite erheblich vergrößerten Instrumentes, in dem nun die für die voluminösere Disposition notwendige große Lade Platz hatte. Die Windlade lag tief im Untergehäuse, etwa in Höhe der Manualklaviatur des beim Umbau an die Seite verlegten Spieltisches. Die originalen Prospektpfeifen kamen auf die Windlade, an ihren Platz wurden Holz-Attrappen gestellt.

Die 1970 abgeschlossene Restaurierung nach dem Plan des Landeskonservators stellte zunächst den gut ablesbaren Originalzustand des Gehäuses wieder her. Das Hauptwerk erhielt eine Disposition, die der nicht zu ermittelnden Originaldisposition sicher nahesteht. Hinter zwei geschnitzten Füllungen, die jetzt als Türen dienen, wurde im Untergehäuse auf Wunsch der Gemeinde ein kleines Brustwerk von 5 Registern eingebaut. Ein Pedal mit 3 Registern steht verdeckt hinter dem historischen Gehäuse. 6 Register aus der Zeit vor 1750 und eine Trompete von etwa 1830 kamen wieder zum Einbau. Die Werkstatt Gebrüder Stockmann in Werl restaurierte das Instrument, die Tischlerwerkstatt Tombusch-Brumann in Ascheberg das Gehäuse.

 

Bild und Text sind entnommen dem Heft Nr.22 "WESTFÄLISCHE KUNSTSTÄTTEN" von 1982; Herausgeber: Westfälischer Heimatbund Münster, Westfälisches Amt für Denkmalpflege und Kreis Olpe.

 

Disposition    

                                                                  

HauptwerkBrustwerk
1. Gedackt8'8. Holzgedackt8'
2. Principal4'9. Rohrflöte4'
3. Flöte4'10. Principal2'
4. Quinte3'11. Quinte1 1/3'
5. Octav2'12. Octav1'
6. Mixtur III-IV1 1/3'
7. Trompete8'
  
Pedal
13. Subbass16'
14. Gedacktbass8'

Normalkoppeln

15. Octavbaß4'