Musik in Olper Kirchen

St.-Mariä-Himmelfahrt-Kirche (Marienkirche)

Als am 18. August 1954 der Hochwürdigste Herr Erzbischof Dr. Lorenz Jaeger die St. Mariae-Himmelfahrtskirche zu Olpe konsekrierte, wurde ein Werk dem Dienste Gottes geweiht, zu dem sich in glücklicher, heute leider seltener Weise eine opferbereite Gemeinde, ein sowohl rühriger wie kunstsinniger Pfarrer, ein fähiger Architekt (Dipl. Ing. Otto W e i c k e n – Unna) und ein begnadeter Künstler (Prof. Emil

S u t o r – Karlsruhe) zusammengetan hatten. Dieser gemeinsame Dienst hat der ganzen Kirche ihr eigenes Gepräge gegeben.

An keiner Stelle drängt sich irgendein Element des Baues gewaltsam vor. Kein Teil ist um seiner selbst willen da, kein Teil erscheint vernachlässigt. Alles ist groß und würdig und zugleich zu einem Größeren verbunden. Kein Ornament ist nachträglich hinzugefügt. Die reinen Maße und klaren Linien der Architektur sind Schmuck genug. Die einzigen Formen, die den Bau innen wie außen prägen, sind das schmale hohe Rechteck und der Rundbogen. Das kleinste Seitenfenster w{e Turm und Chor in ihrer Größe stehen unter deren Gesetz. So dient eins dem anderen in organischer Einheit, alles aber dient dem Höchsten: Trotz der einfachsten Mittel – oder gerade ihretwegen – eignet dem Ganzen eine beglückende s a r a e.

Um in dem nicht einfachen Gelände das Bestmögliche zu schaffen, hatte die Gemeinde sechs Architekten, drei einheimische und drei auswärtige zu einem engeren Wettbewerb aufgerufen. Im Juni 1952 entschied sich das Sachverständigenkollegium unter zum Teil beachtlichen Plänen für die Ideen-Skizze des Architekten Dipl. Ing. Otto Weicken. Sie wurde die Grundlage der endgültigen Planung.

Der mittelhohe Bau in Eisenbeton und Ziegel wird zur Stadt hin flankiert von einem gewichtigen, 27 Meter hohen Turm. Von seinem Portal abgesehen, das sich zur Stadt hin auftut, steigt der Turm auf quadratischer Basis in gerader, ungebrochener Wucht senkrecht hoch. Erst im obersten Viertel ist das Mauerwerk gelichtet durch die schmalen, hohen, rechteckigen Schallöcher. Eine flache beschieferte Pyramide schließt den Turm ab, wie auch das gesamte Dach der Kirche im heimischen Schief er gedeckt ist, ebenso die beiden kleinen Pultdächer über den Seitengängen. Diese Seitengänge münden beiderseitig im Chorraum.

Letzterer hebt sich nach außen durch die Weiterführung des Daches und durch die großen Fenstergruppen zu beiden Seiten heraus. Die Altarwand des Chores wölbt sich in der Mitte, und ein Segment des Chorrundes unterbricht die sonst geraden Linien des Grundrisses, so auch hier nach außen die innere Struktur der Kirche erkennen lassend.

 

Die F a s s a d e der Kirche öffnet sich zu einem dreifachen Portal, dem drei Treppenstufen vorgelagert sind. Die Linien des Portals werden von einem großen Fenster aufgenommen und abgeschlossen.

Betritt man das Innere der Kirche, so steht man in einer lichten und weiten, 11 Meter hohen Halle, hingerichtet auf Chor und Altar . Durch neun Rundbogenpaare schaut man in die beiden schmalen S e i t e n g ä n g e , die links zwei Beichtstühle und rechts den Kreuzweg aufnehmenDie Seitengänge sind wiederum mit Rundbogen der gleichen Form jochweise überspannt und erscheinen so geschlossen und würdevoll. über den Rundbögen zu den Seitengängen hin erhellt je ein Paar der schmalen, hohen rechteckigen Fenster das Hauptschiff, während die Seitengänge durch kleine halbrunde Fenster gedämpfteres Licht empfangen.

Die flache D e c k e vereint wieder harmonisch die beiden Grundformen des langen, schmalen Rechtecks und des Rundbogens. Von einem festen Betonkranz rings umgeben spannen sich starke Betonquerbalken, die wiederum leichtere Längsbalken tragen und mit diesen zusammen eine kassettierte Decke bilden, die in ihrer leichten Tönung den Raum würdig abschließt.

Links vom Haupteingang liegt die Taufkapelle , rechts eine Totenkapelle , in der vor der Beerdigung der Sarg aufgestellt wird. Außerdem ist hier eine Kriegerehrung vorgesehen. Der Eintretende wird so an den ersten und letzten Gang zur Kirche erinnert. Zentral in der Taufkapelle steht der von Prof. Sutor gestaltete Taufstein, ohne jedes Ornament, durch seine edle und organische Form den Lebensbrunn der Gemeinde verkörpernd, ihren „Mutterschoß „, um ein Wort Cyrills von Jerusalem zu gebrauchen (Myst. Kat. 2, 4).

Haupteingang wie Tauf- und Totenkapelle überdeckend und darüber hinaus noch weiter in die ganze Breite der Kirche hineinragend liegt eine geräumige O r g e l e m p o r e , die zu den rund 500 Sitzplätzen des Hauptschiffes noch gut weitere 100 Plätze bietet. Der Aufgang führt durch den Turm, wirkt also nicht störend. Durch das große Fassadenfenster wird die Empore in helles Licht getaucht. Ein leichtes metallenes Gitter bildet die gefällige Brüstung.

Seitenwände und Decke münden direkt im Halbrund des Chores . Sieben Stufen führen aus dem Schiff hinauf. Zehn rechteckige Pfeiler umschließen im Halbkreis den C h o r r a u m , gliedern ihn in das Ganze ein und heben ihn zugleich hervor. Indirekt fällt von rechts und links das Licht ein, belebt und beleuchtet, während die Rückwand mehr oder weniger im Schatten liegt. Diese Rückwand verläuft bis zur Breite des Hauptschiffes 1,70 Meter parallel zu den Pfeilern. In Verbindung mit den Seitengängen ergibt sich so ein würdiger Prozessionsweg . Rechts und links öffnet sich die Rückwand in zwei Nischen für die Seitenaltäre, die vom Schiff aus kaum zu sehen sind.

Unter dem hohen Chor liegt das Halbrund der Krypta. Sieben Fenster unterbrechen das mittlere Drittel der Außenwand und spenden gedämpftes Licht. Hinter einem Rund gang von 1,70 Meter Breite umstehen zehn Stützen im Radius von sieben Metern den Raum. Im Mittelpunkt dieses Halbkreises wird der Altar stehen, der von einer Nische umschlossen wird. Es ist zu hoffen, daß ein gutes Fresko oder Putzmosaik, gestaltet im Geist des Ganzen, den Hintergrund dieses Altares bilden wird. Schon jetzt vor der letzten Fertigstellung, die in diesem Jahre noch erfolgen soll, stimmt die Krypta zu Stille und Besinnung. Wie weit hier die seelsorglichen Anliegen der „Werktagskirche“ gelöst sind, muß die Praxis zeigen.

Zurück zum Chor : An der Evangelienseite steht auf den obersten der sieben Chorstufen der von Prof. Sutor geschaffene schlichte Ambo, in den mit wenigen Linien der verkündende Christus und das Wort aufnehmende Hörer eingemeißelt sind.

Auf weiteren drei trapezförmigen Stufen erhebt sich der H o c h a l t a r in rotem Maulbronner Sandstein: ein geschlossener massiver Stipes mit einer ausladenden Mensa. Tabernakel und Kruzifix belassen in ihrer Einfachheit dem Altar seinen Tischcharakter. Dieser Altar ist wirklich M i t t e des Raumes. Auch die große und großartige Plastikgruppe über ihm nimmt ihm nichts an Gewicht, steigert vielmehr seine Bedeutung. In ihrer leichten Tönung – nur der Strahlenkranz glänzt in einem intensiveren Golde – tritt sie zurück vor dem warmen Rot des Altarsteines. Wie selbstverständlich fällt der Blick immer wieder auf den Altar. Gewiß, das Bildwerk zieht ihn an, aber immer wieder führt es ihn dann zum Altar zurück.

Professor Emil S u t o r stand vor einer schwierigen Aufgabe: In einen in sich geschlossenen Chorraum sollte ein Werk hineinkomponiert werden, das diese Einheit nicht sprengte, sondern krönte; es sollte das Geheimnis der Aufnahme Mariens in den Himmel in großer Weise dargestellt werden, ohne daß die Gestalt Christi im Bild noch sein Opferaltar in der Kirche an Gewicht verlor. Diese nicht leichte Doppelaufgabe hat Professor Sutor meisterlich gelöst.

Zwischen den vier mittleren Pfeilern entfaltet er eine reiche Gruppe . Als Material wählte er Marmorzement. Zur Technik sei Folgendes vermerkt: Die Figuren werden vom Künstler in Originalgröße in Ton modelliert. Dann wird ein Gipsabguß davon hergestellt, analog dem Glockenguß. Das Tonmodell wird dabei zerstört. Die Negativform wird darauf mit Zement ausgegossen und, sobald dieser hart geworden ist, zerschlagen. Modeme Technik und Materie geben dem Künstler so Mittel unserer Zeit in die Hand, damit er in unserer Art ewige Wahrheiten aussage .. Professor Sutor gebraucht diese Mittel souverän. Verblüffend, wie die Gruppe montiert ist , ergreifend, welche Aussagekraft und -tiefe dem Zement abgewonnen wird!

Beherrschend tritt die aufrechte G e s t a l t C h r i s t i hervor – sie allein ist schon vier Meter hoch. Der Herr ist bereit, die Krone zu reichen. Über ihm und zugleich mit ihm verbunden die Taube des Heiligen Geistes und das Auge Gottvaters. Der Strahl der Gnade strömt von Gottvater auf die Krone hin, die Christus schenkt, der Heilige Geist senkt sich auf sie herab, und so auf den Menschen, der sie empfangen soll: auf M a r i a. Demütig kniet sie da, das Haupt geneigt, die Hände zu Gott erhoben, zu ihren Füßen der Mond . So wird sie hineingenommen in den Strahlenkranz des Himmels, so wirkt sie zurück auf die Erde, der sie zugewandt bleibt.

Engel feiern dieses Geheimnis: Zwei Engel stoßen in die Posaunen – es geschieht eine Apokalypse -; zwei Engel sind hingerissen zur göttlichen Trinität; zwei Engel neigen ihr Haupt vor dem Geheimnis des Altares, durch das die Christen „in den Himmel aufgenommen“ werden sollen.

 

Textauszüge von Paul Werner Scheele aus der Broschüre St. Mariae-Himmelfahrtskirche zu Olpe

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